
Eisenbahnstraße
2023 - 2026
Eisenbahnstraße ist eine fotografische Langzeitstudie über sozialen Wandel, Vielfalt, Migration und Gentrifizierung in einem Leipziger Stadtteil. Die Arbeit fragt, wie dokumentarische Fotografie urbane Widersprüche sichtbar machen kann, die medialer Berichterstattung und politischen Debatten oft entgehen.
Die Eisenbahnstraße hat eine lange Tradition; zu DDR-Zeiten in Ernst-Thälmann-Straße umbenannt, war sie Arbeiterquartier, verlor nach der Wiedervereinigung durch Deindustrialisierung und massiven Leerstand ihre zentrale Bedeutung, um sich seit Ende der 1990er Jahre zu einem migrantischen Anlaufpunkt zu wandeln.
Heute steigen die Einwohnerzahlen rapide und neben Migrant*innen und Alteingesessenen leben hier viele Studierende und junge Kreativschaffende. Gleichzeitig ist sie immer wieder Schauplatz mitunter blutiger Auseinandersetzungen, was zum Errichten einer Waffenverbotszone geführt hat. Kulturelle Vielfalt und soziale Verdrängung finden parallel statt, während eine polarisierende mediale Debatte rund um Migration, Kriminalität und städtische Identität das Bild nach außen prägen.
Die fotografische Arbeit bricht mit dem medialen Bild der Eisenbahnstraße. Der Fokus liegt bewusst nicht auf der lauten Hauptstraße, sondern konzentriert sich auf ruhige, bisweilen absurd anmutende Szenen, in denen die Widersprüche des Stadtteils sichtbar werden. Details und ruhige Portraits visualisieren die soziale und räumliche Entwicklung im Wandel und stellen dabei die Frage, wessen Geschichte im öffentlichen Bild eines Stadtteils sichtbar wird und wessen nicht.
© Stella Weiß, 2026. all rights reserved